Mythos Komfortzone

das ist Komfort

Der Mythos, wir Menschen leben standardmäßig in einer Komfortzone ist weit verbreitet. So wird die Komfortzone als Bereich eines Menschen definiert in welchem er sich wohl und sicher fühlt. Dieser Bereich wird durch die Gewohnheiten des Menschen geprägt und in diesem soll es ihm leicht fallen mit seiner Umwelt zu interagieren.

Das sogenannte drei Sektoren Modell definiert darüber hinaus eine Lernzone sowie eine Panikzone. Weiterhin gibt es Definitionen welche vier Zonen Beschreiben, die Komfortzone im Zentrum, eine Angstzone, eine Lernzone und eine Wachstumszone. Von einer Panikzone ist hier keine Rede.

Dies sind jedoch Mythen welche auf den kläglichen Versuchen basieren, neuro-wissenschaftliche Prozesse mit Hilfe von psychologischen Ansätzen zu beschreiben und bedürfen dringend einer auf den kognitiven Neurowissenschaften basierenden Klarstellung und Differenzierung da diese Begrifflichkeiten grundweg falsch und irreführend sind.

Das menschliche Gehirn ist extrem komplex und hat vielfältige Funktionen und Arbeitsweisen. Eine grundlegende Funktion, man könnte sagen die übergeordnete Hauptfunktion, des Gehirn ist es das Überleben eines Menschen in der Umwelt in welcher er sich befindet sicherzustellen.

Ein Hauptmerkmal dieser Sicherstellung des Überlebens ist dabei die Einsparung von Energie um ein effektives Überleben effizient sicherstellen zu können. Physikalisch lässt sich dieses Hauptmerkmal auf die Entropie und den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik zurückführen – dieser Hinweis sei jedoch nur am Rande erwähnt.

Nehmen wir einen Menschen durchschnittlichen Alters – dieser hat sich im bisherigen Verlauf seines Lebens Erfahrungen wie unter Anderem Fertigkeiten, Eigenschaften und Verhaltensweisen angeeignet, sowohl intellektuell als auch motorisch. Diese werden im Gehirn als neurologische Muster abgespeichert.

Ein einfaches Beispiel – wenn wir in jungen Jahren lernen erstmalig selbst ein Glas in die Hand zu nehmen und daraus etwas trinken besteht dieser Lernprozess aus dem aktivieren von diversen Muskeln und Muskelgruppen wie zB in unseren Schultern, Armen, Händen und Fingern. Diese müssen zu Beginn bewusst einzeln aktiviert und koordiniert werden um einen motorischen Prozess in unserem Körper zu vollziehen. Dies erfolgt über Nervenbahnen mit elektrischen Impulsen und einem kontinuierlichen FeedbackProzess zwischen Muskeln, Nervenbahnen und dem Gehirn welche diese koordiniert. Zu Beginn wirkt diese Ausführung noch etwas unbeholfen und hat einen erhöhten Energieverbrauch zur Folge. Je häufiger wir dies jedoch tun umso effizienter kann das Gehirn diesen Prozess steuern und durchführen bis hin zu einem flüssigen Bewegungsablauf welcher letztendlich als Muster im Gehirn abgespeichert wird so dass dieser Prozess unbewusst ablaufen kann was eine maximale Einsparung von Energie ermöglicht da nur noch dieses Muster aktiviert wird wenn wir Durst haben. Der Prozess läuft dann unbewusst ab und kann als Konditionierung bezeichnet werden.

Vergleichbar ist dies ebenfalls mit dem Erlernen von Tennis, Autofahren und bei dem Erlernen neuer intellektueller Fähigkeiten. Auch wenn man sich in einer neuen Umgebung zurecht finden muss welche sich abweichend von einer bisherigen darstellt oder gar ganz fremd ist – es erhöht den Energieverbrauch im Körper und im speziellen im Gehirn da wir uns bewusst anstrengen müssen um uns zurecht zu finden.

Man bedenke das dass Gehirn bereits im Ruhezustand etwa 20% der Glukose verbraucht welche der Körper als Energie zur Verfügung stellt. Verarbeiten wir Reize welche über unsere Sinne aufgenommen werden steigt der Energiebedarf exponentiell an. Strengen wir uns dazu noch an weil wir eine Aufgabe bearbeiten oder lösen wollen ‚fährt‘ unser Gehirn buchstäblich mit ‚Vollgas‘. Da das Gehirn jedoch den Energieverbrauch stets möglichst gering zu halten anstrebt kann dies im Unterbewusstsein zu einem Zwiespalt oder einer Entscheidungsparalyse führen wenn wir darüber nachdenken eine anstehende Aufgabe oder Vorhaben anzugehen. Und im Zweifel zieht das Gehirn den Energiesparmodus vor und bleibt im Modus der vorhandenen Konditionierung. Manche kennen einen solchen Zustand unter dem Begriff des inneren ‚Schweinehund‘. Auch dies ist jedoch ein falsche und irreführender Begriff. Vielmehr sollte man das Gehirn als den Dagobert Duck unseres Energiehaushaltes bezeichnen.

Bringen wir es auf den Punkt – was viele Menschen als Komfortzone beschreiben ist ein Zustand erworbener Konditionierung welcher mit kognitiver Leichtigkeit einhergeht. Wollen wir etwas außerhalb unserer bestehenden Konditionierung tun , zB etwas neues Lernen oder ein Vorhaben umsetzen, erfordert dies einen höheren Energieverbrauch. Ein erhöhter Energieverbrauch fühlt sich jedoch zunächst unkomfortabel an. Dies ruft eine Verzerrung hervor unsere Konditionierung wäre komfortabel. Dies ist jedoch nicht der Fall. Auch ist es nicht so, dass uns im Zustand dieser Konditionierungen der Umgang mit unserer Umwelt leicht fällt. Im Gegenteil, häufig sind wir mit manchen unserer Konditionierungen unzufrieden. Viele unserer Konditionierungen empfinden wir sogar als unangenehm und belastend. Im Zustand unserer Konditionierungen haben wir lediglich einen optimierten Energieverbrauch was man hier mit komfortable verwechselt. Dagobert Duck gibt eben nur äußerst ungern etwas seiner hart erarbeiteten Reserven ab und wenn er dies tut muss es sich für ihn lohnen!

Der Begriff Komfortzone sowie die zu Beginn genannten gängigen Modelle gehören auf den Scheiterhaufen. Auch gibt es keine Panik- oder Angstzone. Wurden diese doch beschrieben zu einer Zeit wo wir die Abläufe im Gehirn noch nicht beobachten und erforschen konnten. Erst mit der Entwicklung der Echtzeit-Magnetresonanztomographie (Echtzeit MRT) vor etwa 20 Jahren bekommen wir immer bessere Einblicke wie unser Gehirn und somit wir Menschen wirklich funktionieren und sind nun in der Lage mit Mythen wie der Komfortzone endgültig aufzuräumen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.